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Baku 2015 - Backstage mit Nicky - Interne Nachrichten-App vom ÖOC

17. Juni 2015, 05:35am

Veröffentlicht von sport-oesterreich

Wie eine App die Welt verändert

Wie eine App die Welt verändert

Kurz vor Beginn der 1st European Games in Baku hat das ÖOC (Österreichisches Olympisches Comité) für alle AthletInnen und BetreuerInnen eine Info-App zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt.

Anfangs sehr skeptisch - musste ich erst eine App auf meinem Mobiltelefon deinstallieren um genügend Speicherplatz für die neue App zu haben – befolgte ich brav die Schritte der Anleitung, welche wir per Mail erhielten. Mit einem speziellen Nutzernamen und dem Passwort konnte ich die Registrierung dann abschließen, doch wusste ich noch nicht viel damit anzufangen. Wie eine Außerirdische, die noch nie zuvor eine App gesehen hatte, stand ich mit meinem Telefon in der Hand mitten im Esszimmer und starrte darauf. Meine Blicke dürften so seltsam ausgesehen haben, dass sogar mein Kind mich fragte: „Mama, ist bei dir alles OK?“ Plötzlich vibrierte mein Handy und machte seltsame Geräusche. In einer kurzen Schockstarre verharrt wusste ich erst gar nicht weiter. Dann aber setzte endlich wieder mein Verstand ein und ich öffnete die eingehende Nachricht dieser App.

„Willkommen in der internen Info-App des Team Austria. Hier bekommst du wichtige Infos für deine Zeit in Baku. Dein ÖOC-Team“

„Schön!“ dachte ich zu Beginn … „Und jetzt??“ Abwarten und Teetrinken war mein Plan und ich ließ die App App sein. Es folgten Nachrichten wie Einladungen für die Coaches zu Teammeetings, Willkommensgrüße von bereits gelandeten SportlerInnen aus Österreich in Baku, etc ...

Sollten mich diese Nachrichten wirklich interessieren? Wirklich warm war ich zu dem Zeitpunkt mit dieser Erfindung noch nicht, aber es war ja erst der Beginn.

Dann folgte am nächsten Tag auch schon die Hiobsbotschaft via App. Es war quasi die Info aus erster Hand, dass es einen schweren Verkehrsunfall im Athleten Village gab, 3 unserer Synchronschwimmerinnen verletzt worden seien und ein PDF-File im Anhang mit allen Erstinfomationen, kurz nach dem Geschehen.

Schock und Panik wegen des schweren Verkehrsunfalls in Baku

Diese Nachricht löste in mir ein unglaubliches Gefühlschaos aus. Mit Tränen in den Augen starrte ich auf diese Nachricht, mit zitternden Fingern versuchte ich das PDF-File in Ruhe zu lesen. Es fiel mir tatsächlich sehr schwer, mein Kopf war leer und ich hatte einen dicken Kloss im Hals. Kann das wirklich sein? Mir schoss nur ein Blitzgedanke durch den Kopf: „Nein, ich will doch nicht nach Baku!“

Ich hatte mich gerade gefangen und auf die Reihe bekommen, startete mein Telefon mit einem Nachrichtenansturm. Diesmal nicht von der ÖOC-App, sondern von Freunden und Familie. Der Medien-Rummel zu diesem Thema hatte gerade begonnen und jeder wollte wissen was passiert ist, ob ich nähere Details hätte und dass ich doch gut auf mich aufpassen sollte. Somit war ich erst einmal eine Zeit lang beschäftigt, die Nachrichten zu beantworten.

Vanessa hat es richtig böse erwischt und es sind alles SportlerInnen, TrainerInnen und BetreuerInnen bis heute geschockt. Vielleicht hat mich persönlich dieses Ereignis ein wenig mehr mitgenommen als Andere, denn ich hatte auch einen schweren Autounfall in ungefähr dem gleichen Alter, wie Vanessa es gerade ist. Allerdings waren bei mir ca. 100 Schutzengel im Einsatz und die Hauptrolle spielte „nur“ ein Auto, kein Bus.

Auch wenn die Wünsche, die Hoffnung und die positiven Gedanken um ihre Genesung kreisen, die Spiele in Baku gehen weiter und wir müssen alle unseren Job in Baku bestmöglich machen, uns auf uns selbst fokussieren.

Umso beachtlicher war die Nachricht der ÖOC-App am nächsten Tag: „Unser Synchonschwimmerinnen-Duett belegte in der Vorrunde den 4. Platz“ – Hut ab!

Die interne Nachrichten-App vom ÖOC macht sich bezahlt

Die App kam in Schwung und schon am nächsten Tag flogen nur so die live-Ergebnisse der ÖsterreicherInnen aus Baku herein, genau wie die ersten Medaillen. Jede Vorrunde bzw. jeder Vorkampf, jedes Achtel-, Viertel- und Semifinale und natürlich alle Endergebnisse werden von jeder Sportlerin und jedem Sportler in jeder Sportart sofort verteilt. Teilweise ist meine App sogar schneller als das „Live-Ergebnis“ auf der Website von Baku. Auch der Zeitpunkt für die nächsten Durchgänge, Spielrunden oder Finalis wird mit gesendet.

Ich habe mit der Zeit angefangen, diese Info-App zu lieben. Gleich in der Früh wird das Internet am Telefon eingeschaltet und mit Sicherheit flattern schon mindestens 3 Ergebnisse herein. Obwohl ich selbst noch nicht in Baku bin, bekomme ich wirklich alle Ergebnisse aus österreichischer Sicht mit und weiß ganz genau, wann wer als nächstes an den Start geht. Obwohl ich noch zu Hause sitze, fühle ich schon das Flair, die Stimmung und bekomme die Atmosphäre ein wenig mit.

Sportarten, in denen ich vielleicht gar nicht gewusst hätte, dass wir AthletInnen am Start haben – bei einem Team von insgesamt 145 AthletInnen auch nicht übel zu nehmen – werden mir so auch näher gebracht. Selbst wenn einige SportlerInnen schon wieder zu Hause sein werden, wenn ich erst am Weg nach Baku bin, habe ich das Gefühl, dass wir alle zusammen gehören und dass wir ein großes Team sind, das Team Österreich / Team Austria.

Diese App gibt mir ein unglaubliches Gefühl der Zusammengehörigkeit und unterstreicht die Wichtigkeit jedes einzelnen Sportlers – ich persönlich liebe sie :)

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