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Baku 2015 - Backstage mit Nicky Watzek

16. Juni 2015, 12:38pm

Veröffentlicht von sport-oesterreich

Fabian - Sohn von Nicky Watzek

Fabian - Sohn von Nicky Watzek

Baku 2015 - die Nominierungsphase

Baku 2015 - Backstage mit Nicky Watzek

Ins Rollen kam eigentlich alles bei den österreichischen Meisterschaften der Vereine im Mai 2014. Hier trat ich zur Unterstützung meines Vereines – dem KLC – in Kugel und Diskus aus Spaß 20 Monate nach meinem offiziellen Rücktritt aus dem Profisport an. Ohne jegliches Training setzte ich mich bei strömenden Regen und eisiger Kälte durch und konnte zum Staunen meiner Konkurrentinnen nicht nur beide Disziplinen gewinnen, sondern auch österr. Jahresbestleistungen aufstellen.

Den Spaß wieder ein wenig zurück bekommen startete ich dann in der vergangenen Freiluftsaison auch bei den Kärntner Landesmeisterschaften, wo ich gleich 3 Goldmedaillen gewinnen konnte (Kugel, Diskus, Hammer). Auch bei den Staatsmeisterschaften nahm ich teil und konnte den Titel im Diskuswurf holen, meinen 10ten in dieser Disziplin. Aufgrund dieser Leistung wurde ich – zu meiner großen Verwunderung - bereits im November im Diskus vornominiert und somit ins Nationalteam für Baku einberufen.

In der Hallensaison 2015 folgte dann der nächste Paukenschlag. Eigentlich beruflich verplant an dem Wochenende der Hallenstaatsmeisterschaften und nur doch Zufall dann spontan und kurzfristig doch Zeit, düste ich nach Linz. Meine Erwartungen waren dafür aber im Keller, denn der Bestenliste 2015 nach war ich nur auf Platz 5 gereiht. 13 Meter wären schön, so meine Zielsetzung für diesen Wettkampf. Doch es kam noch viel besser. Jeder meiner Stöße flog über die 13-Meter-Marke und das, obwohl ich keinen zu 100% gut getroffen habe. Mit Luft nach oben holte ich mir völlig überraschend mit 13,87m den Titel und sorgte somit für Verwirrung beim Nationaltrainer. Dieser musste nämlich eine Woche später seine fixe Nominierung für Baku, die ersten European Games abgeben. Die Zeit drängte, Anfang März musste das Nationalteam fix stehen. Dann bekam ich den unfassbaren Anruf unseres Nationaltrainers, wo er mir mitteilte, dass es im Diskus keine Diskussion gäbe und ich auf alle Fälle starten dürfte. Allerdings hätte er noch ein Anliegen … ich war gespannt. Mein Titel in der Halle und die damit verbundene Verwirrung bei vielen Beteiligten führte zu seinem Entschluss, dass – wenn es für mich in Ordnung wäre – er mich auch für Kugel fix nominieren würde. Nach einer kurzen Schockstarre meinerseits und gleichzeitig riesiger Freude habe ich noch meine Bedenken bzgl. meiner Konkurrentinnen mit ihm besprochen und auch, wie es zu der Entscheidung seinerseits kam. Kurz und knapp zusammengefasst:

„Die Beste fährt. Du bringst deine Leistung auf den Punkt, darauf kann ich mich verlassen und das ist es, was wir im Team brauchen.“

Baku 2015 - Backstage mit Nicky WatzekBaku 2015 - Backstage mit Nicky Watzek
Baku 2015 - die Vorbereitungsphase

Ab März begann die Vorbereitungsphase für Baku. Nein, damit meine ich nicht die Trainingseinheiten, sondern den Aufwand „Backstage“.

Wir mussten uns über einen persönlichen Online-Account auf der Seite des ÖOC (Österreichisches Olympisches Comité) einloggen und jede Menge an Daten einpflegen. Angefangen von den persönlichen Stammdaten wie Adresse, Telefonnummer, Familienstand, etc. über sportliche Erfolge, Hobbies und Kleidergrößen bis hin zu Ausweisdaten aber auch ein medizinisches Fragenregister war alles dabei. In einem weiteren Schritt mussten wir einige Dokumente in Kopie hineinladen, genau wie ein Passfoto, das strenge Richtlinien einzuhalten hatte.

Dann galt es, einige ärztliche Termine zu vereinbaren und wahrzunehmen. Bis Ende Mai mussten nämlich die verschiedensten Bestätigungen und Untersuchungsergebnisse, sowie Attests der unterschiedlichsten Ärzte vorgelegt werden, welche streng vertraulich, nur dem Teamarzt zur Durchsicht weitergeleitet wurden. Auch eine große Anzahl an sportmedizinischen Tests wurden uns zu unserer eigenen Sicherheit verpflichtend vorgeschrieben. Weiters stand eine Onlineschulung rund um das Thema Doping auf der Tagesordnung. Nach dem Einloggen mit einem persönlichen Account auf der Seite der NADA erwartete uns eine ca. 1-stündige Onlinepräsentation mit animierten Kurzvideos inkl. akustischer Erklärungen, worüber im Anschluss ein Test stattfand. Diesen galt es mit 100% zu bestehen um sein persönliches Zertifikat downloaden zu können, welches ebenfalls an das ÖOC geschickt werden musste.

Hinzu kam noch die Kontrolle des Reisepasses, sowie die Reiseplanung. Immerhin müssen ja alle AthletInnen zeitgerecht in Baku sein. Fast wie eine kleine Belohnung für diese vielen Vorbereitungen – abgesehen vom fokussierten Training und meinen beruflichen Verpflichtungen, aber auch als weitere Vorfreude auf Baku, lud das ÖOC Ende Mai zu einem gemeinsamen Dinner, sowie der Einkleidung in Wien ein.

Baku 2015 - Backstage mit Nicky WatzekBaku 2015 - Backstage mit Nicky Watzek
Baku 2015 - Dinner und Einkleidung

Ende Mai lud das ÖOC alle AthletInnen und BetreuerInnen nach Wien ein. Einerseits fand ein Gala-Dinner statt, welches uns weitere Informationen zu den ersten European Games lieferte, sowie interessante Details zur Stadt Baku. Ein Überblick, was uns alles erwarten wird, verpackt in einen netten Abend mit Show und anschließendem Buffet war ein gelungenes Event.

Die Einkleidung fand im Hotel Marriott statt. Gleich nach dem Eingang ging es die Stufen nach oben zur Galerie, wo der abgesperrte Bereich des ÖOC begann. Beim vorbereiteten Empfangstisch wurden Gepäcksmarkierungen ausgeteilt, Informationsbroschüren, die Checkliste für alle Dinge die ich gleich erhalten soll und natürlich das Wichtigste – die Akkreditierung und das Visum. Von dort aus ging es im Uhrzeigersinn weiter.

Im ersten Raum erwartete mich schon ein tolles und sehr freundliches Team, das für die Übergabe der Tasche inkl. allem Sportgewand zuständig war. Hiermit begann mein Umkleidungsmarathon. Jedes einzelne Teil musste probiert und eventuell umgetauscht werden. Ich selbst hatte Gott sei Dank einen super-tollen und fleißigen Helfer mit – meinen Sohn Fabian, der mir professionelle Fachkommentare bzgl. der passenden Größen zuwarf und voller Stolz die Größen für mich tauschen ging. Nach einiger Zeit hatte ich dann doch alles in einer passenden Größe zusammen und so ging es mit Sack und Pack weiter, zur nächsten „Station“, der Gala-Robe.

Zu meinem Erstaunen war schnell eine in meiner Länge und gut sitzende Hose gefunden und der Gürtel dazu war auch keine Hexerei. Bei der Bluse konnten wir ebenso rasch eine passende Größe finden, dank der kurzen Ärmel. Dann kam jedoch der Blazer … ich und ein Damenblazer. Damit beschäftigte ich nicht nur die zuvorkommenden und überaus freundlichen Damen dieser Abteilung, sondern auch gleich die Abteilung der Herren, sowie die Schneiderinnen. Beim Damenmodell hatte ich wirklich alles versucht, jedoch sah ich immer aus, als wäre ich in das Gewand einer Puppe geschlüpft – zu kurz, zu klein und zu eng, ich sah aus wie ein Clown. Ein Blazer hätte dann in der Breite der Schultern so halbwegs gepasst, jedoch war dann schon Schluss. Auch hier die Ärmellänge viel zu kurz, wenig Bewegungsmöglichkeit und beim Rücken und Bauch sah es aus wie ein Kartoffelsack. Ein unglaublich sympathischer Herr der Männerabteilung meinte dann: „Probier‘ mal einen Herrensakko.“ Schwupp – und der zweite Versuch saß fast perfekt. Die vorhergehende Verzweiflung aller war wie verflogen, die Schneiderin hüpfte fast vor Freude, denn ein wenig Taille zu schneidern war für sie – im Gegensatz zu einer kompletten Umschneiderung - ein Klacks. Nach Rücksprache mit den Vorständen des ÖOC wurde mir auch genehmigt, einen Herrensakko zu tragen.

Während meine Bluse und mein Sakko ein paar Feintunings der Schneiderin erhielten marschierte ich weiter zum nächsten Stand. Neue Freizeitschuhe, Laufschuhe und Flip-Flops wurden probiert und an mich weiter gegeben. Naja, zumindest fast. Die Flip-Flops habe ich bereits erhalten, die anderen 2 Paar bekomme ich direkt in Baku, da meine Größe nicht (mehr) lagernd war.

Weiter ging es beim nächsten Stopp mit Sponsorgeschenken wie einer Sonnenbrille, einer elektrischen Zahnbürste, einem Rasierer, Sonnencreme, Hautcreme und vielem mehr.

Immer brav weiter im Uhrzeigersinn kam nun die Verkostungsstelle von Peeroton. Nachdem die Lieblingsgeschmäcker der verschiedenen Getränke gefunden waren, wurden diese gemeinsam mit vielen verschiedenen Riegeln, sowie 2 Trinkflachen in ein Sackerl gepackt und an uns übergeben.

Danach folgte eine kurze Stärkung an der Kaffee- und Teebar. Voller Energie ging es zur letzten Station, dem Fotoshooting, wofür ich meine beiden bereits geänderten Kleidungsstücke zurückbekam. Ein paarmal umziehen und immer schön lächeln hieß es hier für die Kamera im eigens errichteten kleinen Fotostudio.

Verknüpft wurde mein langer Weg durch die Galerie des Marriotts mit netten Smalltalks, sowie Interviews und immer wieder freundlichen Blicken mit Smileys so zwischendurch für Fotografen.

Nach guten 2 Stunden verließ ich gemeinsam mit meinem Sohnemann – der als Sonnenschein allen Löcher in den Bauch fragen musste und mir als großer Gepäcksträger zur Seite stand - voll bepackt das Hotel und stand dann doch noch vor der Herausforderung, diese Mega-riesige Tasche in mein Auto zu bekommen.

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