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Baku 2015 - Backstage mit Nicky - der große Tag im Diskuswurf der Damen

22. Juni 2015, 10:19am

Veröffentlicht von sport-oesterreich

Nicky Watzek - 1st European Games Baku 2015

Nicky Watzek - 1st European Games Baku 2015

Gestern war es soweit. Nach einer erneuten schlechten Nacht mit wenig ruhigen Schlafstunden ging es für mich gegen 10.00 Uhr Ortszeit als erstes unter die Dusche um wacher zu werden. Danach spazierte ich gemütlich in die Main Dining Hall um mir ein Frühstück zu nehmen. Diesmal nahm ich mir ein wirklich „typisches Sportlerfrühstück“. Wheets in Milch aufgelöst mit einer Banane, dazu ein wenig Obst mit Joghurt und ein Orangensaft. Ich musste mich wirklich zwingen das alles zu essen, denn durch diese enorme Hitze hier trinke ich enorm viel Wasser, das aber meinen Hunger extrem minimiert. Trotzdem muss ich vor dem Wettkampf Energie zu mir nehmen. So aß ich langsam aber brav alles auf und ging anschließend wieder in mein Zimmer, wo ich die Füße hoch legte. Ein paar Telefonate führte ich noch bis ich mich um 15:45 Uhr mit dem Nationaltrainer traf um zum Shuttlebus zu gehen. Um 16:00 Uhr fuhren wir mit dem Bus ins Stadion, wo wir direkt auf den Aufwärmplatz gingen.

Nicky Watzek ist top motiviert

Nicky Watzek ist top motiviert

Nicky Watzek bereitet sich auf den Diskusbewerb der Damen vor

Ein bisschen Musik auf die Ohren und ab in die Sonne zum Einlaufen. Danach suchte ich sofort wieder den Schatten um zu dehnen. Beschwingt legte ich danach auf der Laufbahn ein paar schnellere Laufschulübungen ein. Noch schnell ein kaltes Wasser aus dem Kühlschrank beim Aufwärmplatz eingesteckt und schon ging es dann auf den 5-minütigen Weg zum Call Room.

Ganze 45 Minuten vor Bewerbsbeginn musste ich mich dort einfinden. Hier hieß es dann für mich Handy, Fotoapparat und sonstige technische Utensilien dem Trainer übergeben, denn diese sind im Innenfeld strengstens verboten, genau wie Medikamente und unerlaubte Hilfsmittel jeder Art.

Hinein in den angenehm gekühlten Bereich und bei den zuständigen Personen melden. Diese führten mich dann in den Raum 3, wo mein Rucksack bis ins kleinste Detail gecheckt wurde, meine Startnummern kontrolliert wurden, mein Dress mit der Vorlage des österreichischen Verbandes kontrolliert wurde und meine Wurfschuhe genauestens untersucht wurden.

Danach wurde ich auf die Laufbahn im Call Room Bereich geschickt, wo ich noch einmal kurze Schwungübungen machen konnte. Nach 15 Minuten im Call Room hieß es dann „Discus Women, please line up“. Wir mussten uns in einer bestimmten Reihenfolge aufstellen und dann ging es los.

Im Entengang wurden wir ins Stadion geführt bis zum Diskuskreis. Auf dem Weg dorthin musste ich die Stimmung im sehr gut gefüllten Stadion aufsaugen. Unglaublich viele Zuschauer fanden den Weg bei dieser Hitze ins Stadion und waren voller Begeisterung dabei. Für uns SportlerInnen ein großartiges Gefühl.

Nicky Watzek - Diskusbewerb der Damen in Baku

Nicky Watzek - Diskusbewerb der Damen in Baku

Wettkampf im Diskuswurf der Damen

Dort angekommen hatten wir die Möglichkeit, 2 Einwürfe in der Startreihenfolge zu absolvieren. Kaum war der letzte Diskus aus dem Kreis draußen hieß es wieder „Please line up“. Erneut aufstellen und wieder brav in der Reihe nach vorne auf die Wiese gehen für die Vorstellung. Jede Werferin wurde - begleitet von der Kamera - vorgestellt. Dann startete der Wettkampf.

Wie abgesprochen absolvierte ich meinen ersten Wurf als „Sicherheitswurf“. Dies bedeutet, dass er auf alle Fälle gültig sein soll. Tja, wie von mir gewohnt erfülle ich dies immer brav, jedoch außer gültig ist eigentlich nichts toll daran. Meine Trainerin bevorzugt es jedes Mal danach zu fluchen mit den Worten „Ich hasse deine Sicherheitswürfe“. Im zweiten Wurf legte ich dann an Tempo zu und absolvierte einen Wurf der ok war. Jetzt blieb mir nur noch ein einziger Wurf, um mich unter die besten 4 zu setzen. Gut angefangen, ein minimaler technischer Fehler spürte ich den Zug am Wurfarm doch leider führte dieser kleine Fehler dazu, dass der Diskus knapp im Netz landete. Jetzt war der Ärger groß, denn dieser Wurf hätte mich unter die Top 3 gebracht. Am Ende wurde es Platz 5, womit ich zufrieden sein muss.

Nach dem Wettkampf

Nach meinem Wettkampf ging ich noch kurz auf die Tribüne, wo ein kleiner Selfie-Ansturm auf mich wartete. Ganz viele Zuschauer – von den Kindern bis zu den Erwachsenen – wollten ein Selfie mit mir haben. Meine abgegebenen Utensilien noch schnell vom Trainer abgeholt suchte ich gemeinsam mit einer Leichtathletik-Freundin den Weg zum Shuttlebus, der uns wieder zurück ins Athleten Village führt.

Dort holten wir uns beide einen Snack und setzten uns zu einem der Fernseher mit der Live-Übertragung der Leichtathletik. Meine Beine musste ich hoch lagern, denn sie sollten ja spritzig sein für heute, da ich ja eine von nur 2 AthletInnen bin, die in zwei Disziplinen starten darf.

Um 23:00 Uhr fand dann noch ein kurzes Teammeeting mit der Zusammenfassung des ersten Wettkampftages statt, danach ging es erstmal unter die Dusche. Um 2:00 Uhr Nachts drehte ich dann - nach einigen Telefonaten und Interviews – endlich das Licht ab und schlief in dieser Nacht zu ersten Mal hier wirklich gut.

Heute heißt es Daumen drücken um 15:00 Uhr österreichischer Zeit. Dann starte ich im Kugelstoßen und hoffe, ein wenig meiner Wut von gestern dahinter zu bringen, damit wenigstens die Kugel auf eine richtig tolle Weite fliegt.

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