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Ab nach Baku - Backstage mit Nicky

19. Juni 2015, 14:40pm

Veröffentlicht von sport-oesterreich

Nicky Watzek beim ersten Krafttraining in Baku

Nicky Watzek beim ersten Krafttraining in Baku

Die Anreise

Gestern stand ich schon sehr früh auf um rechtzeitig am Flughafen Klagenfurt zu sein. Mit etwa 20 Minuten Verspätung startete ich in Richtung Wien. Als der Pilot sich für die Verspätung entschuldigt hatte und uns mitteilte, er hätte so gute Bedingungen, dass wir trotzdem fast pünktlich landen würden freute ich mich sehr, denn zum Abflug von Wien nach Baku hatte ich nur 30 Minuten Zeit. Doch keine 10 Minuten später musste uns der Co-Pilot enttäuschen. Wir wären zu schnell unterwegs. In Wien sei zu hoher Betrieb und daher sollen wir doch bitte langsamer fliegen, denn in die Warteschleife zum Landen müssten wir sowieso.

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Kurze Panik machte sich bei mir breit. Kurz nach der Ansage stand schon eine Flugbegleiterin neben mir und fragte mich, welchen Anschlussflug ich denn erreichen müsste. Tatsächlich legte der Pilot eine unglaubliche Schräglage ein und flog 4 Mal in einem recht engen Kreis, wie ein Karussell. Und die Zeit rannte nur so vor sich hin. Endlich stellte er das Flugzeug wieder gerade und begann den Sinkflug. Gleich nach der geglückten Landung teilte uns eine Flugbegleiterin via Lautsprecher mit, dass die Personen für die Flüge nach Baku, Kiew und Moskau nicht in den Transferbus einsteigen, sondern sich direkt bei ihrer Kollegin an der linken Seite nach dem Ausstieg melden sollen.

Gesagt getan empfing mich schon eine nette aber sehr hektische junge Dame. „Schnell, schnell, Sie bekommen jetzt einen privaten Direkttransport.“ erklärte sie uns. Doch viel mehr Zeit für Erklärungen blieb nicht. Hinein in ein Sicherheitsauto des Flughafens und los ging eine rasante Fahrt. „Bitte halten Sie Ihre Reisepässe bereit.“ gab es als weitere Erklärung während wir kreuz und quer über den Flughafen Wien donnerten. Das Handgepäck sicher verschlossen im Sicherheitsauto ging es rasanten Schrittes hinein zu einer Passkontrolle, da wir alle 3 die Ausreise aus Haupteuropa bestätigen lassen mussten. Weiter ging es durch den Sicherheitscheck des Personals, damit wir das Gebäude auch schon wieder verlassen durften.

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Hetzjagd am Flughafen Wien-Schwechat

Rein ins Auto und die Fahrt ging mit quietschenden Reifen weiter. Mit einer halben Notbremse hielt das Auto vor dem Flugzeug nach Kiew an. Die Türe gerade wieder zu, schossen wir weiter zum Flugzeug nach Moskau. Ich wurde als letzte Passagierin zu meinem Flugzeug gebracht, denn der Parkplatz meines Airbusses war weit komplizierter zu betreten als die beiden vorherigen.

Über den Funkspruch wurde schon nachgefragt, wo ich bleibe denn mittlerweile war es bereits Abflugzeit meines Fliegers. „Mist, jetzt haben sie uns schon die Treppe weggenommen.“ sagte die freundliche Dame zu mir. Wieder umgedreht mit quietschenden Reifen und zu einem anderen Eingang gefahren sprangen wir beide wie von der Tarantel gestochen aus dem Auto und zu einer Hochsicherheitstüre. Schnell die Treppen hinauf landeten wir in der Mitte des Zugangschlauches, der an meinem Flugzeug endete.

„Schnell, laufen Sie jetzt einfach hinunter!“ sagte die junge Frau zu mir. Noch ein schnelles Dankeschön meinerseits und weg war ich. Um 10:00 Uhr, also 5 Minuten nach der eigentlichen Abflugzeit saß dann auch ich im Flugzeug. Also das ist mir in meiner Vielfliegergeschichte bisher noch nie passiert, aber aufregend und cool fand ich es trotzdem.

Sicher im Flugzeug angekommen - jetzt geht die Reise weiter!

Der Flug nach Baku verging dann wirklich rasch. Was ich alles machen wollte während den 4 Stunden Flug … ich habe nicht einmal die Hälfte geschafft. In Baku dann sicher gelandet, mussten wir durch die Passkontrolle mit Gesichtserkennung. Danach wurden wir gleich weitergeleitet zum Baku-Stand, wo wir unsere Akkreditierung und weitere Athleteninfos bekamen. Von dort ging es weiter zum Förderband für unsere Taschen, wo wir schon sehr herzlich von unserer Reiseleiterin des ÖOC empfangen wurden.

Mein Gepäck trotz den Turbolenzen in Wien tatsächlich erhalten, warteten wir noch auf das Großgepäck der Österreicher. Anschließend wurden wir durch eine „Straße“, gebildet von Polizisten zu unserem Bus geführt. Höchste Sicherheit, weshalb jeder seine Akkreditierung – sie ist ab jetzt das aller Wichtigste und fast schon heilig - beim Einsteigen des Busses vorweisen musste.

Als die ganze Mannschaft im Bus saß, kontrollierte uns ein Polizist erneut. Danach ging die 20-minütige Fahrt zum Athleten-Village los. Über eine eigens für die Athletenbusse abgesperrte Spur erreichten wir zügig unser Ziel, während sich die Autos nur so stauten. Beim Aussteigen aus dem Bus wurden wir dann von unseren „Chefs“ empfangen. Mit ihnen ging es dann zur Sicherheitskontrolle Nummer 1. Weiter führte uns unser Weg in ein Gebäude, wo jeder von uns mit seiner Akkreditierung registriert und abgescannt wurde. Von dort aus nahmen wir die ersten, unfassbaren Eindrücke mit und marschierten zum Österreich-Haus.

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Im Athleten-Village heil angekommen

Dort von den weiteren „Officials“ empfangen gab es erst einmal weitere wichtige Instruktionen für uns. Danach folgte ein Gespräch mit unserem Teamarzt, der uns unter anderem auf wichtige Gesundheitsmaßnahmen hier hinwies. So darf das Wasser beispielsweise nicht getrunken werden, nicht einmal zum Zähneputzen verwendet werden. Weiters bekamen jede einen Desinfektionsspray zu unserer Sicherheit, denn diesen sollen wir mehrmals täglich verwenden.

Acht sollen wir auch unbedingt bei Trainings oder Spaziergängen draußen geben, denn Baku sei eine unglaublich windige Stadt. Dieser bläst unbemerkt ganz kleine Sand- und Staubpartikel durch die Luft, wodurch die Nase, Mund- und Rachenbereich sehr leicht verkleben. Auch die extrem starke Sonne fällt dadurch nicht auf, weshalb die Mittagszeit besser nicht im Freien, beziehungsweise unmittelbar in der Sonne verbracht werden soll.

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Infos, Infos und noch mehr Infos ...

„Hapuh“ dachte ich erst einmal. Mit einer Überflutung an Informationen fuhr ich dann in mein Zimmer und war doch leicht überfordert. Einerseits sehr müde von der Anreise, andererseits vollgepumpt mit Informationen saß ich erst einmal auf meinem Bett und betrachtete die wunderschöne Überwurfdecke. Eigens angefertigt mit allen Symbolen der Sportarten ist diese, genau wie ein Sackerl voller Werbeartikel, eine Erinnerung für zu Hause. Danach versuchte ich es mir ein wenig gemütlich zu machen und das Wichtigste einmal auszupacken. Viel Zeit blieb nicht, denn ich musste mich auf die Suche nach dem Office hier im Athleten Village machen.

Planlos raste ich von einem Gebäude zum anderen, denn dies hatte nur noch eine halbe Stunde geöffnet. Am falschen Ende des Dorfes gelandet, ging ich schnellen Schrittes wieder zurück und fand es dann doch glatt. Hinein mit mir und nach Eintrittskarten für andere Sportarten fragen, denn das ist mein Plan für Samstag. Nach 3 Minuten habe ich es geschafft – ich habe meine persönliche Karte für das Finale der TurnerInnen im Einzel in meinen Händen.

Voller Stolz ging ich in die Speisehalle, wo ich erneut mit der Größe und der Auswahl überfordert war. Ein langer Tag ging für mich nach einigen Telefonaten nach Hause und Besuchen anderer SportlerInnen zu Ende.

Die erste Nacht in Baku

Die Nacht habe ich sehr unruhig verbracht, denn es war unglaublich heiß im Zimmer. Nach einer kurzen Dusche in der Früh um etwas wacher zu werden, traf ich mich mit einer anderen Leichtathletin zum Training. Wir nutzten den Vorzug, direkt in der riesengroßen Kraftkammer im Athleten Village zu trainieren. Die Größe – zum Verlaufen. Doch das Training war ausgesprochen gut und ich hatte enorm viel Spaß. Das Mittagessen danach war wirklich lecker und die Auswahlmöglichkeit unglaublich groß. Am Nachmittag habe ich mir etwas Pause gegönnt und meine Füße hoch gelegt mit etwas Musik auf meinen Ohren. Heute steht für mich noch das Public Viewing im Athletendorf am Programm, sowie ein Treffen mit meinem besten Freund am Abend, der hier zufällig vom Veranstalter mit seiner Musikgruppe zur Unterstützung der SportlerInnen vor Ort gebucht wurde.

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